Kleine Regenwurmkunde

Wir betreiben die Sache mit den Regenwürmern nun schon einige Zeit sehr intensiv. Ich stehe bei meiner Arbeit viel auf Märkten und plaudere mit Menschen. Was immer wieder für Verwirrung sorgt ist die Tatsache, dass Regenwurm nicht gleich Regenwurm ist. Es gibt eine Vielzahl an Arten mit unterschiedlichsten Lebensräumen und Aufgaben im Ökosystem. Deshalb versuche ich nun zu erklären, weshalb eine Wurmkiste mitunter nicht funktioniert, wenn man in den Garten geht, nach wilder Wurmjagd die Beute in ein Kisterl verfrachtet und Gammelgemüse dazuschmeißt. Auch ist nicht gesagt, dass eine Wurmkompostierung völlig sinnlos ist, weil man “eh so viele Regenwürmer im Garten hat”.

Aber der Reihe nach: Es gibt laut Literatur weltweit über 600 verschiedene Arten, die alle zu den Regenwürmern zählen. Dabei sind welche, die sind über 50 cm lang, manche sind blau, manche weiß. Manche dieser Würmer fressen andere Würmer, die meisten sind Vegetarier.

Für den Gärtner in unseren Breiten ist folgende Unterscheidung interessant: Es gibt Streuschichtbewohner. Diese Würmer – zu ihnen zählen auch die Kompostwürmer – leben in der obersten Bodenschicht. Sie zersetzen organisches Material und liefern Kot mit hoher Nährstoffdichte. Sie sind meist relativ dunkel gefärbt (bräunlich-rot), da sie einen Schutz gegen die UV-Strahlung der Sonne benötigen (auch wenn sie diese nach Möglichkeit meiden). Da sie viele Fressfeinde haben, haben sie eine recht hohe Vermehrungsrate: Sie können ihre Anzahl unter optimalen Bedingungen alle drei Monate verdoppeln.

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Kompost ist der Lebensraum von Kompostwürmern. Tauwürmer haben Wohnröhren im festen Boden und bleiben hier nicht dauerhaft.

Dann gibt es Regenwürmer die im Bereich von der Oberfläche bis zu ca. 3 Metern Tiefe leben. Sie leben in fixen Wohnröhren, bringen Nährstoffe von der Oberfläche in die Tiefe und durchlüften den Boden. Pflanzenwurzeln nutzen die Wohnröhren der Würmer gerne, da sie mit nährstoffreichem Regenwurmkot ausgekleidet sind. Sie sind auch der Grund, weshalb man bei der Bodenbearbeitung auf das Umgraben weitgehend verzichten sollte, man zerstört den Würmern dabei nämlich ihre Wohnröhren. Das sind die Regenwürmer an die man im Allgemeinen denkt. Man findet sie in Beeten, Wiesen und auf den Feldern. Ihre Färbung ist heller als die der Streuschichtbewohner, da sie ihre Wohnröhren nur kurz und meist nicht vollständig verlassen – bei Gefahr ziehen sie sich blitzschnell wieder zurück. Selbst die Paarung erfolgt meist mit einem (dem hinteren) Körperende in der Wohnröhre. Prominentes Beispiel, das die Fischer unter euch sicher kennen ist der Tauwurm (der freundlicherweise auch für unser Foto posiert hat).

Die dritte Gruppe sind die Bewohner der tieferen Erdschichten. Sie kommen praktisch gar nicht an die Oberfläche, haben kaum Pigmentierung und sorgen für eine Durchmischung der tieferen Erdschichten. In diesem Beitrag kommen sie nicht vor.

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Würmer, die man in der Wiese und in Beeten findet, eignen sich nicht für die Wurmkompostierung. Sie brauchen feste, tiefe Erde als Lebensraum.

Wenn man sich also an die Wurmkompostierung wagen möchte, ist es nicht sinnvoll Würmer im Garten auszugraben und in den Kompost oder in eine Wurmkiste zu geben. Man fängt dort in aller Regel Tauwürmer, die den Kompost wieder verlassen bzw. in der Wurmkiste zwar eine zeitlang überleben aber nicht ausreichend Material umsetzen (fressen) um die Kiste ins Laufen zu bringen. Man braucht dazu Kompostwürmer. Aufgrund der unterschiedlichen Lebensräume ist es auch sinnvoll Kompostwürmer im Kompost einzusetzen obwohl man zahlreiche Würmer in den Beeten und im Rasen findet. Der Kompost wird mit Kompostwürmern einfach schneller und ohne menschliches Zutun (wie Umsetzen) in wertvollen Humus umgewandelt, die Beetbewohner können das nicht leisten.

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